Kurzarbeit ist das Instrument der Stunde

Dirk Oberwetter, Leiter der Geschäftsstelle Bad Oeynhausen und Frauke Schwietert, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Herford mit SPD-Landtagskandidaten E.-Wi. Rahe sowie MdL Inge Howe und MdL Karl-Heinz Haseloh

Wir wirkt sich die Wirtschaftskrise auf den heimischen Arbeitsmarkt aus? Eine Antwort auf die Frage erhofften sich die SPD-Landtagsabgeordneten Inge Howe, Karl-Heinz Haseloh und SPD-Landtagskandidat Ernst-Wilhelm Rahe in einem gemeinsamen Gespräch in Bad Oeynhausen mit Frauke Schwietert, Geschäftsführerin der Herforder Arbeitsagentur und Dirk Oberwetter, Geschäftsstellenleiter Bad Oeynhausen.

„Wir haben die Zahl unserer Vermittler und Berater im Agenturbezirk aufgestockt, um dem wachsenden Beratungsbedarf aufgrund der Wirtschaftskrise zu begegnen“, erklärte Frauke Schwietert, Geschäftsführerin der Herforder Arbeitsagentur. Und das war nötig. „In der Spitze verzeichneten wir siebzig Prozent mehr Arbeitslosenmeldungen gegenüber dem Vorjahr“.

Licht und Schatten prägen auch die aktuelle Entwicklung: Zwar nahm die Zahl der Arbeitslosen im Kreisgebiet Minden-Lübbecke aktuell im Berichtszeitraum November um 100 oder 0,9 Prozent auf 11.651 Personen ab. „Doch diese Entwicklung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Arbeitslosenzahl im Kreis gegenüber dem Vorjahr um 25,6 Prozent höher liegt“, erklärte Geschäft-stellenleiter Dirk Oberwetter.

Für den Arbeitsmarkt könne noch keine Entwarnung gegeben werden. „Denn der Anstieg der Arbeitslosigkeit wird derzeit massiv durch Kurzarbeit als Instrument der Stunde gedämpft“, so Frauke Schwietert.
So sind von Januar 2009 bis heute schon 1.446 Kurzarbeitanzeigen von Betrieben mit 29.385 betroffenen Arbeitnehmern eingegangen, erfuhren die SPD-Landespolitiker.
Im Vergleich dazu die Zahlen von 2008: 394 Anzeigen mit 5.526 betroffenen Arbeitnehmern.

Viele Betriebe in der Region fahren, aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage, schon seit Monaten Kurzarbeit. „Zusätzlich stellen wir uns auf den Winter ein und informieren die Unternehmen über das Saison-Kurzarbeitergeld“, so Schwietert.

Das Saison-Kurzarbeitergeld, das zunächst nur auf das Baugewerbe und das Dachdeckerhandwerk beschränkt war, kann auch von Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus in Anspruch genommen werden.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung besonders betroffen sind Jugendliche unter 25 Jahre. „Hier verzeichneten wir in der Spitze einen Anstieg der jüngeren Arbeitslosen von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, momentan liegt der Anstieg bei etwa 17 Prozent“, unterstrich Schwietert die Entwicklung.
Auf die Frage der SPD-Sozialpolitikerin Inge Howe nach den Gründen erfuhren die Landespolitiker, dass in der Vergangenheit viele Jugendliche über Zeitarbeits-Unternehmen ihre Arbeitsplätze gefunden hätten. „Diese brechen weg, weil Zeitarbeitsfirmen besonders von der Wirtschaftslage betroffen sind, allein 21,2 Prozent aller Arbeitslosen unter 25 Jahre werden hier gemeldet“, so Oberwetter. Zudem würden Betriebe befristete Arbeitsverträge auslaufen lassen und aufgrund der schwierigen konjunkturellen Lage junge Arbeitnehmer nach ihrer Ausbildung nicht übernehmen können.

Aufgrund der demographischen Entwicklung wird es zukünftig immer schwieriger für Unternehmen werden, qualifiziertes Personal zu finden. „Deshalb ist es gut, wenn Arbeitgeber über Kurzarbeit versuchen, ihrer Mitarbeiter im Betrieb zu halten“, so Ernst-Wilhelm Rahe. Doch dies dürfe nicht dazu führen, Anstrengungen zur Ausbildung und Übernahme junger Menschen zu vernachlässigen. „Sie sind unser Potential für die Zukunft“, so Rahe und Haseloh abschließend.