Busverkehr im ländlichen Raum zukunftsfest gestalten

Sicherlich wissen nur wenige Menschen im Kreisgebiet, die täglich den Bus nutzen, wer den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford organisiert und teilweise finanziert: es ist die Minden-Herforder-Verkehrsgesellschaft (mhv) mit Sitz im Bad Oeynhausener Kurpark.

Gesetzlicher Träger der mhv sind die beiden Kreise Herford und Minden-Lübbecke. Damit ist die mhv verantwortlich für den Busverkehr in 20 Städten und Gemeinden mit 580.000 Einwohnern. Sie finanziert ca. 140 Buslinien mit insgesamt 24 Mio. Fahrten im Jahr, wobei sie mit 12 Verkehrsunternehmen zusammen arbeitet.

Grund genug für die SPD-Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Haseloh, zugleich Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtags NRW und Inge Howe für einen Arbeitsbesuch in Begleitung der Landtagskandidaten Ernst-Wilhelm Rahe, (Minden-Lübbecke I), Christian Dahm (Herford I) und Angela Lück (Herford II).

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich der Busverkehr gerade im ländlichen Raum in den nächsten Jahren entwickeln wird. Denn es bahnen sich neue Entwicklungen an, wie Achim Overath, Geschäftsführer der mhv GmbH, zu Beginn des Gesprächs deutlich macht: „Wir müssen klar unterscheiden zwischen dem, was bis heute gelaufen ist und dem, was uns in den nächsten Jahren begegnen wird“.

So wurden die letzten Jahre geprägt durch eine Ausweitung der Verkehrsleistung um über 10% auf heute 13,9 Mio. Fahrplankilometer pro Jahr.
Mit der Einrichtung von Stadtbus-, Ortsbus-, Taxibus- und Bürgerbusverkehren konnten gleichzeitig die kommunalen Zuschüsse ohne Qualitätsverlust im ÖPNV von 15 Mio. Euro im Jahr 2000 auf aktuell knapp 1 Mio. Euro reduziert werden. „In Zeiten knapper Kommunalfinanzen sicherlich ein unterstützender Schritt“, so Overath.

Der ÖPNV in beiden Kreisen verursacht ca. 31 Mio. Euro Betriebskosten pro Jahr. Geld, das zu rund 75 Prozent aus den öffentlichen Kassen von Bund, Land und Kommunen fließt und über Schülerverkehr abläuft, erfuhren die Landtagsabgeordneten. Im ländlichen Raum kommen sogar über 90 Prozent aus diesen Mitteln. „Mit anderen Worten“, so Overath: „Mit Ausnahme der größeren Städte wie Herford, Minden, Bünde oder Bad Oeynhausen ist die Umsetzung eines leistungsstarken ÖPNVs ganz extrem abhängig vom Schülerverkehr und damit von der Zahl der beförderten Schüler.“

Dies hat Konsequenzen: sämtliche Statistiken und Prognosen, wie die der Bertelsmann-Stiftung kommen zum Ergebnis, dass die Schülerzahlen in den nächsten Jahren stark rückläufig sind. Dies betrifft nahezu alle Schulformen und –standorte. „Wir werden also in den nächsten Jahren weniger Einnahmen generieren, aber zusätzliche Aufgaben zu bewältigen haben“, fürchtet Overath. Allein die Ausweitung des Nachmittagsunterrichts schlägt grob kalkuliert mit einer zusätzlichen Busfahrt zu Buche.

„Wir brauchen deshalb dringend eine Umorientierung in der ÖPNV-Politik des Landes und ein Zukunftskonzept für Busse und Bahnen, das dieser Entwicklung Rechnung trägt“, sind sich Howe und Haseloh sicher. „Wir leben in einem Flächenkreis, in dem viele junge und ältere Menschen auf ein funktionierendes Busnetz angewiesen sind, um zur Schule, Arbeit oder zum Einkauf zu kommen. Hier brauchen wir den Schulterschluss aller politischen Vertreter im ländlichen Raum“, fordert auch SPD-Politiker Ernst-Wilhelm Rahe abschließend mit Blick auf den Altkreis Lübbecke oder den Raum Petershagen.

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Busverkehr im ländlichen Raum braucht Zukunft: Im Gespräch sind Karl-Heinz Haseloh (MdL, SPD), Christian Dahm (SPD-Landtagskandidat Herford), Inge Howe (MdL, SPD), Achim Overath (mhv-Geschäftsführer), Angela Lück (SPD-Landtagskandidatin Herford) und Ernst-Wilhelm Rahe (SPD-Landtagskandidat Minden-Lübbecke)