19 Plätze für Menschen mit Behinderungen

Ein Wohnheim für 19 Menschen mit Behinderung soll ab Herbst auf dem ehemaligen Parkplatz des Klinikums I in der Friedrichstraße gebaut werden. Zusätzlich sieht der Wittekindshof als Träger Räume für tagesstrukturierende Angebote vor.

"Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW fördert den Neubau der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Minden", teilte dazu jetzt die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Howe mit. "Für den Neubau hat der Stiftungsrat jetzt einen Zuschuss in Höhe von 415000 Euro bewilligt."

Im Frühjahr 2006 hatte die Bad Oeynhausener Behinderteneinrichtung in Minden ein erstes Wohnhaus für 22 Frauen und Männer sowie zwei Kurzzeitplätze eröffnet. Der Bedarf für das Stadtgebiet war damit aber bei Weitem nicht gedeckt. So entstanden Wohngemeinschaften in der Umgebung – und bald das zweite Wohnheim.

"Zielgruppe für die Wohnangebote sind vor allem Menschen aus Minden und Umgebung", sagte Anke Marholdt, Pressesprecherin des Wittekindshofes. Denn in der Betreuung und Unterbringung von Menschen mit Behinderungen ist ein Umdenken im Gange. Statt Behinderte in großen Einrichtungen in Randgebieten – wie in Volmerdingsen am Hang des Wiehengebirges – zu konzentrieren, sehen moderne Inklusionskonzepte es vor, sie vermehrt an ihren Heimatorten in der Nähe ihrer Familien – die dies auch wünschen – leben und arbeiten zu lassen.

Wie andere junge Erwachsene auch, so müssen junge Frauen und Männer mit einer Behinderung aber viele alltagspraktische Dinge erst erlernen, wenn sie das Elternhaus verlassen. Dies soll in den Wohnheimen geschehen, bis sie in eine eigene – in der Regel vom Wittekindshof angemietete – Wohnung oder eine Wohngemeinschaft – dort dann mit ambulanter Unterstützung – einziehen können. "Auch in der Pöttcherstraße leben längst nicht mehr die Bewohner der ersten Stunde", erläuterte Marholdt das Prinzip der fortschreitenden Verselbstständigung.

In dem geplanten zweigeschossigen Haus in der Friedrichstraße sind auch vier Appartements für insgesamt sechs Personen, die "einerseits zwar hohe Kompetenzen im alltagspraktischen Bereich haben und deswegen in einer eigenen Wohnung leben können", so Marholdt, "aber andererseits auch hohen Unterstützungsbedarf beispielsweise aufgrund zusätzlicher psychischer Erkrankungen haben".

Eine Entlastungsfunktion für Angehörige kommt den tagesstrukturierenden Angeboten – 20 Plätze sind vorgesehen – für Personen im Rentenalter oder so schweren Behinderungen zu, dass sie nicht in einer Werkstatt arbeiten können, die aber in der Regel in ihrer Familie leben. Anke Marholdt: "Durch Bewegungs-, Spiel- Kreativ- und Musikangebote, aber auch individuelle Förderung, gemeinsames Kochen und Ausflüge soll ein abwechslungsreicher Tags- und Wochenablauf mit verschiedenen Höhepunkten im Jahr ermöglicht werden."

Die Baukosten sind auf rund 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Neben der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW fördern der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) und das Land Nordrhein-Westfalen den Bau. Der Wittekindshof beteiligt sich mit erheblichen Eigenmitteln.

Die Diakonische Stiftung betreut in Minden zurzeit rund 80 Frauen und Männer mit Behinderung. In der Einrichtung, die in Volmerdingsen früher bis zu 1500 Menschen beherbergt hat, leben derzeit noch rund 1000 Behinderte. Das Ziel sind langfristig 500 Bewohner. In mehreren Städten in Westfalen arbeiten inzwischen ähnliche Wohnheime wie das jetzt geplante mit Erfolg.

Interessenten sowohl für die tagesstrukturierenden Angebote als auch die Wohnangebote können sich an Diakon Michael Nagelschmidt, Telefon (05734) 61-1750 oder E-Mail: michael.nagelschmidt(at)wittekindshof.de wenden.

Quelle: MT Online vom 28.06.2012 – Text: Jürgen Langenkämper