Angst der Zigarrenhersteller vor Regulierungswut der EU

„Mein Großvater (Wilhelm Rahe) war Kassierer des örtlichen Tabakarbeitervereins“, erklärt Ernst-Wilhelm Rahe. Fast jeder aus der Region kann eine Geschichte dazu beisteuern, wenn das Thema Zigarre aufkommt. Irgendjemand aus der Familie hat früher bestimmt Zigarren in Handarbeit produziert. Bei uns in OWL, besonders rund um Bünde hat sie ihre Heimat. Nicht umsonst verweist Bünde stolz auf seinen Beinamen „Zigarrenstadt.“ Kultur und Tradition gehören dazu und an dem Handwerk hängen auch heute noch Arbeitsplätze, die aber in Gefahr sind.

Die kleinen mittelständischen Familienunternehmen machen sich Sorgen. Zu ihnen gehört auch Peter Wörmann, Chef von Wörmann und Scholle in Rödinghausen und Vorsitzender des Bundesverbands der Zigarrenindustrie.

Grund für die Ängste ist eine von der EU geplante Tabakproduktlinie, die in erster Lesung am 8. Oktober auf der Tagesordnung des Europaparlaments steht. Der Bundesverband der Zigarrenindustrie (BdZ), ein Zusammenschluss der Hersteller, Vertreiber und Importeure, sieht darin eine Regulierungswut, „die in den mittelständischen Familienunternehmen der Zigarrenindustrie so nicht umsetzbar ist“, sagt Peter Wörmann. Er hatte die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück und Ernst-Wilhelm Rahe eingeladen, um die Vorbehalte der Industrie über die Tabakproduktlinie zu diskutieren. Ebenfalls dabei: Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des BdZ, er spricht in diesem Zusammenhang gar von einem „Bürokratiemonster.“ Konkret geht es geht um die detaillierte Meldung von Zusatzstoffen, die zum Teil gar nicht mehr genutzt werden dürften, um die Warnhinweise auf den Kästen, die bis zu 75 Prozent der bedruckten Fläche ausmachen sollen oder um die Meldung von Werten und Emissionen der Zigarren. All diese Vorschriften seien für das Nischenprodukt Zigarre, im Gegensatz zur Produktion von Zigarren, schwer bis gar nicht umsetzbar.

Gegen Regulierungen seien sie nicht, sagen die Verbandsvertreter, aber gegen die Vielzahl, die Konsequenzen haben würden für die Vielfalt der Produkte. Die Zigarre sei ein Genussmittel, das hauptsächlich von Männern in höherem Alter geraucht werde und sei deshalb auch kein Produkt für Jugendliche, betonen die Verantwortlichen.  Das sehen die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Lück und Rahe genauso. Sie wollen sich bei den Europaparlamentariern dafür einsetzen, dass die Richtlinien für die Zigarrenindustrie weniger spürbar werden. 1500 Arbeitsplätze in der Region bietet die Tabakindustrie, davon etwa 1000 in Bünde, Rödinghausen und im Kreis Minden Lübbecke.   Angela Lück und Ernst-Wilhelm rRhe versprechen, alles dafür zu tun, dass diese Arbeitsplätze auch erhalten bleiben.